Logos & Logik
Sokratisches Wissen des Nichtwissens
Metaphysik und Physik
Begegnung mit dem Unbekannten
verwoben mit dem
Symbol des Taoismus
SOKRATISCHES FRAGEN
Ich weiß, dass ich fast nichts weiß, und kaum das.
(Vgl. Platon, Apologie 21d)
LEIBNIZSCHES WISSEN
Denn alles, was ist, besteht aus Gott und dem Nichts.
(G.W. Leibniz, Brief an Herzog Rudolf August, 1697)
METAPHYSIK UND ONTOLOGIE
Der Begriff der Mäeutik geht auf das algriechische Wort maieutikē zurück und bedeutet soviel wie „Hebammenkunst”. Gemeint ist die sokratische Methode einer fortwährend hinterfragenden Gesprächsführung bis zu einem Punkt, an dem sich jede weitergehende Antwort als widersprüchlich erweist.
Dies ist der Geburtsmoment einer fundamentalen Erkenntnis. Der Antwortende bemerkt, dass er das, was er dachte zu wissen, nicht weiß: Der Denkende denkt über sein Denken nach und beginnt so, sich in denkender Rückbezüglichkeit auf sich selbst als denkende Entität zu hinterfragen.
PHYSIK UND LOGIK
Die sokratische Methode wurde von einem Philosophen wiederbelebt, der sich wie Sokrates durch intellektuelle Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und bemerkenswerte denkerische Präzison auszeichnete: Karl Popper, der im Jahr 1934 das Wissenschaftsprinzip der Falsifikation begründete.
- Wir können die Wahrheit nicht kennen, sondern uns ihr nur fortwährend durch unsere Fragen annähern (Metaphysik).
- Wir können jedoch erkennen, dass wir etwas nicht wissen, von dem wir zuvor dachten, es zu wissen (Physik).
ONTOLOGIK
Metaphysik bedeutet nach Aristoteles „dasjenige neben der Physik”. Physik und Metaphysik sind einander enge Begleiter.
Ihre Berührungspunkte nennen wir in der westlichen Logik „Evidenz” (lat. evidentia ‚Einsichtigkeit'), in der östlichen Logik ist es der Einklang in Harmonie. Die Einheit von Einsicht und Einklang ist das, was wir als Ontologik anstreben.
DER LOGOS
Obwohl der Logos das Gemeinsame ist,
leben die meisten
als ob sie eine private Vernunft hätten.
(Heraklit, 2) info
Das Denken ist für alle das Gleiche.
(Heraklit, 113)
Der Seele ist der Logos eigen, der aus sich selbst wächst.
(Heraklit, 115)
Und der Logos ward Fleisch.
(Johannes-Evangelium 1,14)
Hebe den Stein auf und du wirst mich dort finden.
Spalte das Holz und ich bin dort.
(Thomas-Evangelium, Logion 77) info
DIE LOGIK DES WESTENS
Es kann zwischen den Gliedern eines Widerspruchs kein Mittleres geben.
(Aristoteles, Metaphysik IV, 7)
Das Seiende wird in vielfacher Bedeutung ausgesagt,
aber immer in Bezug auf Eines.
(Aristoteles, Metaphysik IV, 2)
Denn wer nicht Eines denkt, der denkt überhaupt gar nichts.
(Aristoteles, Metaphysik IV, 4)
DIE LOGIK DES OSTENS
Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,
so ist dadurch schon das Häßliche gesetzt.
Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,
so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.
(Laotse, Tao Te King, Kap. 2, Übers. R. Wilhelm)
Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
(Ebd.)
Und somit:
Frage und Antwort bedingen einander.
(Schlussfolgerung des Autors)