Logos & Logik
Der Begriff des ‚Narzismus‘ ist in den letzten Jahren als Charakterisierung ‚eitler Selbstgefälligkeit‘ in Mode gekommen und wird allzu oft pejorativ Info gegen Personen gerichtet:
Man scheint sich darin zu gefallen, Gegnern vorzuwerfen, sich in in dem, was sie tun, gefallen zu wollen.
Diesen Vorgang bezeichnet man als ‚Projektion‘. Der Begriff geht auf den lateinischen Ursprung ‚projectus‘ (‚vorwerfend‘) zurück und weist in drei Bedeutungsrichtungen:
In diesem Sinne leitete Arthur Schopenhauer die Manuskriptblätter seiner von ihm selbst unveröffentlichten „Eristischen Dialektik“ ein:
„Die angeborenen Eitelkeit, die besonders hinsichtlich der Verstandeskräfte reizbar ist, will nicht haben, daß was wir zuerst aufgestellt sich als falsch und das des Gegners als richtig ergebe. Hienach hätte nun zwar bloß Jeder sich zu bemühen nicht anders als richtig zu urtheilen: wozu er erst denken und nachher sprechen müßte. Aber zur angeborenen Eitelkeit gesellt sich bei den Meisten Geschwätzigkeit und angeborene Unredlichkeit. Sie reden ehe sie gedacht haben und wenn sie auch hinterher merken, daß ihre Behauptung falsch ist und sie Unrecht haben; so soll es doch s c h e i n e n als wäre es umgekehrt. Das Interesse für die Wahrheit, welches wohl meistens bei Aufstellung des vermeintlich wahren Satzes das einzige Motiv gewesen, weicht jetzt ganz im Interesse der Eitelkeit: wahr soll falsch und falsch als wahr scheinen.“ 2.
Der Mythos von Narcissus und der Nymphe Echo wurde von Ovid in seinem Werk der ‚Metamorphosen‘ erzählt. Der Maler William Waterhouse Info hat den Mythos in wunderbarer Weise als Gemälde zur Darstellung gebracht.
Betrachten wir im Folgenden den im Bild erscheinenden Mythos näher.
Der Mythos des Narcissus ist nicht ohne die Geschichte der Nymphe Echo zu verstehen:
Die Nymphe Echo war eine Dienerin der Hera (Königin des Himmels und der Ehe). Sie diente Hera in der Funktion einer fabulierenden Unterhaltungsdame, denn Hera liebte Geschichten.
Eines Tages jedoch kam Hera dahinter, dass Echo sie mit endlosem Geschwätz unterhielt, während Zeus mit andern Nymphen tändelte. Nachdem Hera die List durchschaut hatte, belegte sie Echo mit einer seltsamen Strafe: Echo konnte von sich aus kein Gespräch mehr beginnen, sondern nur die letzten Worte anderer wiederholen.
Narcissus war der Sohn der Nymphe Leiriope, die den Seher Tiresias fragte, ob ihrem neugeborenen Sohn ein langes Leben beschert sei. Tiresias prophezeite: „Wenn er sich niemals selbst kennt.“ Man verwarf die Prophezeiung als bedeutungslos, bis sie 16 Jahre später in Erfüllung ging.
Narcissus war zu einem hinreißend schönen Jüngling herangewachsen:
„Viele Männer, viele Mädchen begehrten ihn. Aber solch hartherziger Hochmut wohnte in der zarten Gestalt! Kein Mann, kein Mädchen konnte ihn rühren.“ (Vers 350) 3.
Narziss war sich seines Liebreizes nicht bewusst, er bemerkte lediglich an der Reaktion anderer, dass er sich seine hochmütige Ignoranz offenbar leisten konnte, ohne dass ihm seine Hybris zum Schaden gereichte.
Auch die Nymphe Echo war von ihm hingerissen und folgte Narcissus leise, wohin er auch ging. Sie konnte ihm ihre Liebe nicht gestehen, da sie nur die letzten Worte ihres Angebeteten zu wiederholen vemochte. Als sie einmal versuchte ihn zu umarmen, floh Narcissus und rief ihr zu: „Hände weg, lass die Umarmungen! Eher will ich sterben, als dir gehören.“ Sie antwortet nichts als „dir gehören“.
Eines Tages folgte sie Narcissus bei seiner Jagd an einen klaren Quell, dessen Wasser weder Hirten noch wilde Tiere je getrübt hatten. Er beugte sich über die Quelle, um seinen Durst zu löschen:
„Und während er den Durst zu stillen trachtete, erwuchs in ihm ein anderer Durst: Während er trinkt, erblickt er das Spiegelbild seiner Schönheit, wird von ihr hingerissen, liebt eine körperlose Hoffnung, hält das für einen Körper, was nur Welle ist. […] Am Boden liegend, betrachtet er seine Augen – sie gleichen einem Sternenpaar […]“ (Vers 415-425)
Er wird von Sehnsucht verzehrt, will den Geliebten berühren, will ihn küssen, sie weinen miteinander vor Sehnsucht, aber sobald er ihn berührt, ist er entschwunden. Echo ruft ihm zu, um ihn auf sich aufmerksam zu machen, aber er beachtet sie nicht.
„Oh wie oft wollte sie ihm mit liebevollen Worten nahen und ihn erweichen! Doch ihr Wesen verbietet‘s! Es erlaubt ihr nicht, den Anfang zu machen. Doch eines steht ihr frei: Sie ist bereit, Laute abzuwarten, auf die sie antworten kann.“ (Vers 375)
Vor Verweiflung der wesenhaften Nichtexistenz seines Ebenbildes, schlägt er sich selbst mit seinen blassen Händen auf die Brust , die sich durch die Schläge purpur verfärbt. Er bemerkt das Trugbild und als er erneut ins Wasser blickte, erträgt er es nicht mehr:
„Wie gelbes Wachs an einem schwachen Feuer und wie der morgendliche Raureif an der warmen Sonne schmilzt, so schwindet er dahin […]
Und auf sein ‚Lebe wohl!‘ gab Echo ein ‚Lebe wohl!‘ zurück.“ (Vers 485)
Sein Leib war nirgends mehr zu finden. An seiner Stelle fand man eine Blume, in der Mitte safrangelb und umsäumt mit weißen Blütenblättern. So kam die Narzisse zu ihrem Namen.
Narcissus ist über das Spiegelbild der Quelle gebeugt und bemerkt den Ursprung der Quelle von Echos Seite nicht. Echo hat mit ihrer Hand festen Halt an einem stabilen Stamm. Auf der Seite des Narcissus gibt es nur einen ‚haltlosen‘ dünnen Ast.
Waterhouse malte den Moment des Todes des Narcissus unmittelbar nach dem Widerhall des „Lebewohl!“: Die Augen im Spiegelbild der Quelle gleichen nicht mehr einem „leuchtenden Sternenpaar“. Es sind die Augen eines Toten. Zu seinen Füßen befinden sich blühende Narzissen.
Es gab keinen Leichnam, denn Narcissus starb keinen physischen, sondern einen metaphysischen Tod.
Er wusste nicht, wer er war. Er musste die gleiche Erfahrung der Abweisung derer machen, die ihm spiegelten, was und wer er war. Mit dieser Erfahrung der Abweisung wurde ihm das Trugbild offenbar, dass er selbst nichts anderes als eine sich bei Berührung auflösende Rückspiegelung seiner selbst war.
Durch die Ignoranz der Echo-Warnungen hatte er sich zuletzt selbst ausgelöscht.
Seine wirkliche Bedeutung als Ich-Wesenheit schmolz dahin, nachdem er bemerkte, dass hinter seiner Hybris der eigenen Bedeutungserhöhung nicht er selbst als Individualität, sondern nur noch Leere war.
Narcissus starb nicht etwa an selbstgefälliger Eitelkeit. Narcissus löste sich in Nichts auf, weil er die eigene Schwäche hinter seiner Hybris nicht bemerkte und nicht bemerken wollte.
Eine Behauptung persönlicher Stärke ohne reflexive Kenntnis der eigenen Schwäche ist nicht begründbar und führt daher als ontologische Bodenlosigkeit zur Selbstauflösung.
Die letzte Stütze, die Narcissus zur Begründung seiner eigenen Existenz noch blieb, waren die Rufe Echos. Er bemerkte nicht, dass er sich nicht im Trugbild der eigenen Reflexion finden konnte, sondern nur im Widerhall seiner selbst im Gegenüber.
„Das bist du!“ wollte sie ihm warnend zurufen. Sie konnte es nicht. Hätte er Echo doch bemerkt und ihr ein „Das bist du!“ geschenkt, sie hätte es erwidert. Im spiegelneuronalen Möbiusband der Empathie hätten sie sich selbst im anderen gefunden.
Das vedische Tat twam asi (‚Das bist du‘, Chandogya-Upanishad) bezeichnet die Wesensidentität von Atman (Einzel-Selbst) und Brahman (Welt-Selbst). In einer spiegelneuronalen Lesart wird diese Metaphysik zur biologischen Realität:
Die neuronale Resonanz der Empathie lässt das Ich im Du sich selbst erkennen. Die von Ovid beschriebene Hybris des Narcissus ist somit ein „chiraler Bruch“: Er verweigert die Verschränkung, die das Möbiusband der Existenz kennzeichnet – jene Einheit, in der das eigene Ich erst durch die Resonanz des Anderen (das Echo) konstituiert wird.
Ein Politiker hatte sich (eine weitere) Entgleisung gegen Russland geleistet. Die deutsche Bundesregierung pflichtete ihm bei und sorgte damit für einen Eklat.
„Russland ist ein imperiales Land. Es hat einen ,,Reichsgedanken“, der weiter greift als das Territorium der russischen Föderation. Zugleich ist Russland ein Kolonialstaat. Viele Völker leben dort unter russischer Einflußnahme, haben aber kaum Autonomie.
Daraus muss man folgern: So wie Deutschland bis 1945 erkennt auch Russland das Existenzrecht seiner Nachbarn nicht an. Aber erst wenn es das tut, wird Frieden herrschen.
[…]
Eine Russlandstrategie muss den Willen beinhalten, dieses imperiale Reich aufzulösen. Demokratien müssen diesen Krieg gewinnen wollen, den Russland militärisch gegen die Ukraine, Hybrid gegen die Ukraine und uns sowie kognitiv führt mit Zerstörung, Sabotageakten, Informationsverfälschung und so weiter.“
‚[Deutschland] ist ein imperiales Land. Es hat einen „Reichsgedanken“, der weiter greift als das Territorium der [EU-europäischen] Föderation. Zugleich ist [Deutschland] ein Kolonialstaat. Viele [Ethnien] leben dort unter [deutscher] Einflußnahme, haben aber kaum Autonomie.
Daraus muss man folgern: So wie Deutschland bis 1945 erkennt auch [das heutige Deutschland] das Existenzrecht seiner [russischen] Nachbarn nicht an. Aber erst wenn es das tut, wird Frieden herrschen.
[…]
Eine [Deutschland]strategie muss den Willen beinhalten, dieses imperiale Reich aufzulösen. Demokratien müssen diesen Krieg gewinnen wollen, den [Deutschland] militärisch gegen [Freunde Deutschlands], Hybrid gegen [Freunde Deutschlands] und uns sowie kognitiv führt mit Zerstörung, Sabotageakten, Informationsverfälschung und so weiter.‘
Das Echo als Warnung vor den Folgen der spiegelbildlichen Projektion erfolgte prompt.
Zitat:
„Indem die offizielle Bundesregierung derartige Forderungen nach einer ‚Auflösung des russischen Staates‘ und der Verlagerung von Sabotageakten auf unser Territorium nicht nur duldet, sondern politisch deckt, verlässt sie den Raum der Diplomatie. Wer den Wind der Destabilisierung sät, wird den Sturm der spiegelbildlichen Antwort ernten. Berlin sollte begreifen, dass jede projektive Aggression physikalisch zwingend auf ihren Ursprung zurückwirkt.“
(Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, Pressebriefing vom April 2026)
Siehe, ich komme wie ein Dieb.
Selig ist, der da wacht
und seine Kleider bewahrt,
damit er nicht nackt gehe
und man seine Blöße sehe.
Und er versammelte sie an einem Ort,
der heißt auf Hebräisch Armageddon.
(Offenbarung des Joh. 16,15 – 16,16)
Wir bilden das Spektrum des Phänomens anhand zweier nomozentrischer Transformationen mit ergänzendem Nomos ihrer Verschränkung ab:
Das zu einem Eklat führende Zitat ist die Anwendung des optischen Reflexionsgesetzes auf die kognitive Projektion.
Erläuterung: Im physikalischen Idealfall ist der Einfallswinkel $(\theta_i)$ gleich dem Ausfallswinkel $(\theta_r)$. In der kognitiven Projektion findet jedoch eine Brechung an der Ich-Grenze statt. Das Subjekt nimmt den ausgehenden Strahl (die eigene imperiale Tendenz) nicht als Eigenleistung wahr, sondern erst als reflektiertes Bild im Anderen.
Mechanik-Metapher: Man stelle sich einen Periskop-Spiegel vor, der um 180 Grad falsch herum eingebaut wurde. Man glaubt, den Feind am Horizont zu beobachten, sieht aber in Wahrheit nur das eigene Hinterhaupt. Jede Granate, die man im Geiste auf das „imperiale“ Ziel abfeuert, beschreibt eine ballistische Kurve, die mathematisch zwingend im eigenen Lager einschlagen muss, sobald die Reflexion als solche erkannt würde.
Anmerkung des Autors: Genau das hatte die in Mathematik, Lyrik und Philosophie bildungsreiche Maria Sacharowa sinngemäß erwidert: „Berlin sollte begreifen, dass jede projektive Aggression physikalisch zwingend auf ihren Ursprung zurückwirkt.“
Obwohl Licht (elektromagnetische Transversalwelle) und Schall (mechanische Longitudinalwelle) unterschiedliche Medien und Geschwindigkeiten nutzen, unterliegen sie derselben Symmetrieoperation der Grenzfläche. Die Beziehung lässt sich über den Operator der Impedanz-Fehlanpassung definieren.
In einer Welt ohne Widerstand gäbe es weder Echo noch Spiegelbild; das Signal würde sich im Unendlichen (Nichts) verlieren. Erst die Grenze konstituiert die Rückkehr.
Erläuterung: In dieser Formel beschreibt $\Gamma$ den Reflexionskoeffizienten an der Grenze zweier Medien mit den Impedanzen $Z_1$ und $Z_2$.
Mechanik-Metapher: Man stelle sich ein Pendel vor, das gegen eine massive Wand schwingt. Die Wand ‚entscheidet‘ nicht, zurückzuschlagen; sie gibt lediglich den Impuls zurück, den sie empfangen hat. Der Narzissmus (oder die kognitive Echolalie) besteht darin, die Wand für den Schmerz des Aufpralls verantwortlich zu machen, während man die eigene Wurfbewegung verleugnet.
Man könnte die Beziehung zwischen Denken (Reflexion) und Handeln (Reflex) als eine Verschiebung der Dimensionen beschreiben:
Erläuterung:
Mechanik-Metapher: Ein Uhrwerk, bei dem das Zifferblatt (Narziss) zwar die Zeit anzeigt (Reflexion des Zustands), aber nur durch die Hemmung und das Schwingen des Pendels (Echo/Reflex) voranschreiten kann. Ohne den rhythmischen Widerstand des Pendels würde die Feder ihre Energie in einem einzigen, zerstörerischen Moment entladen – das „Dahinschmelzen“ der Identität.