Logos & Logik

Eine mäeutische Annäherung
(E5)
Bildersturm in Antwerpen (1566)
Gaspar Bouttats (1640-1695):
Bildersturm in Antwerpen 1566 ,(PD)

Ikonoklasmus des Irrtums
Bildersturm auf Sinnbilder


EINLEITUNG

SCHÖPFUNG ALS EVOLUTIONÄRER PROZESS

Das deutsche und europäische Urheberrecht ist ein schmerzhafter Stachel im Fleisch des geistig-kulturellen Fortschritts. „Jeder Mensch kann ein Künstler sein“ fühlte Novalis 1., „Alle Menschen sind Philosophen“ wusste Karl Popper 2. und „Jeder Mensch ist ein Künstler“ realisierte Joseph Beuys mit seinem erweiterten Kunstbegriff. 3. Durch die urheberrechtliche Behandlung denkerischer und künstlerischer Schöpfungen als „geistiges Eigentum“ entleibte die Eigentumsfiktion das schöpferische Potential.

Die biologische Evolution sowie die Evolution des Denkens basieren auf Reproduktion, dem Wunder einer Neuschöpfung aus dem bereits Vorhandenen, die als Genesis Info bezeichnet wird. Das Heranwachsen des Werdenden durch das Tradieren Info des Gewordenen, ist die Basis unseres Wissens und Könnens. Der Bedeutungsgehalt des Begriffes der Genesis ist in unserer Sprache lebendig – wenn auch weitgehend unreflektiert, wie einige Beispiele verdeutlichen sollen:

AUTORITÄT DER AUTORSCHAFT

In der Frühzeit des Buchdrucks (‚Inkunabelzeit‘) Info war der Drucker meist auch der Verleger. Der eigentliche Sinn der Urheberrechte war der Schutz von Autoren, die zwar die Einnahmen der Buchdrucker und Verleger ermöglichten, jedoch selbst nicht angemessen finanziell beteiligt wurden. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts kristallierte sich das Grundmuster des heutigen kommerzialisierten Geisteslebens heraus:

Der Taufpate von Albrecht Dürer, der Großunternehmer Anton Koberger, gründete das erste Druck- und Verlagsimperium der Inkunabelzeit. In seiner berühmten Prachtbibel von 1483 verbreitete Koberger noch die angekauften, altmodischen Holzstöcke Info der Kölner Bibel. Doch diese Bilder dienten dem jungen Dürer als Kontrastfolie. 1498 vollzog Dürer den radikalen Bruch: Er lieh sich zwar Kobergers Textübersetzung und dessen Lettern, verlegte seine eigenen, visionären Holzschnitte der „Apokalypse“ Info jedoch im strikten Selbstverlag. Er vereinte Autorschaft, Bildrechte und wirtschaftliches Risiko in eigener Hand – ein historischer Befreiungsschlag gegen das Monopol des reinen Verlegerkapitals.

DIE QUELLE DER SCHÖPFUNG

„Das Werk wächst, concresciert Info allmählig und langsam wie das Kind im Mutterleibe: ich der [ich] hier sitze und den meine Freunde kennen, begreife das Entstehen des Werks nicht, wie die Mutter nicht das des Kindes in ihrem Leibe begreift. Ich seh' es an und spreche wie die Mutter ‚ich bin mit Frucht gesegnet.‘
[...] mein Geist nimmt Nahrung aus der Welt durch Verstand und Sinne, diese Nahrung giebt dem Werk einen Leib, doch weiß ich nicht wie, noch warum bei mir und nicht bei andern die dieselbe Nahrung haben.“  4.

Eltern versorgen ihre Kinder mit Nahrung für Leib und Geist, bis sie soweit herangewachsen sind, dass sie den Unbillen des Lebens gewachsen sind und ihr Elternhaus verlassen. Eine rückwirkende Schuld der Kinder liegt in der Partizipation, die Eltern dann, falls es Not tut, aus dem existenzsichernden Vermögen zu unterstützen, das sie durch die Weiterreichung (Tradierung) des ‚inneren‘ Vermögens (Fähigkeiten) an sie zu erzielen vermochten. Info
Ein elterlicher Anspruch auf Vollversorgung durch ihre Kinder würde den Nomos (das grundlegende Gesetz) der Genesis als biologische und geistige Evolution konterkarieren.

Die normative juristische Bemessung einer ‚geistigen Schöpfungshöhe‘ greift zu kurz, da sie gerade die geistige Bemessungsgrundlage außer acht läßt. Die geistige Schöpfungshöhe einer Autorschaft ist an das Motiv der Weitergabe gebunden. Geistige Schöpfungen sind per se nicht besitzbar, weil sie im Unterschied zum Trägermaterial – wie Leinwand, Papier, Holz, Stein, Klavier, Werkzeuge etc. – keine räumliche Existenz haben.
Die vorrangige Absicht eines Schöpfens von Geldeinnahmen ist keine geistige Schöpfung durch Autorschaft, sondern die Geltendmachung eines Besitzanspruches an der geistigen Quelle, aus welcher der Autor schöpfen durfte.

„Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Vermehrung von Macht.“  5.

DIE WIRKMÄCHTIGKEIT BILDLICHEN DENKENS

Ikonoklasmus durch Ikonophobie

Der Begriff der Ikonophobie basiert auf den altgriechischen Wörtern εἰκών eikṓn (‚Bild‘), und φόβος phóbos (‚Furcht‘). Auch ‚Ehrfurcht‘ ist eine Dimension von Furcht und wo diese Fähigkeit inklusive denkender Introspektionsfähigkeit abhanden gekommen ist, wird Aggression zu einem systemischen Reaktionsmuster.

Ikonophobie als Ehrfurcht vor der Wirkmächtigkeit des Bildes schlägt zunächst um in eine paranoide Form der Furcht, um sich schließlich in reflexhafter aggressiv destruktiver Reaktion eines Ikonoklasmus zu entladen (altgr. εἰκών eikṓn ‚Bild‘, und κλάσμα klásma ‚das Zerbrochene‘).

Eine destruktive Verwechslung von Reflexion und Projektion:

Ikonophobie, die zum Ikonoklasmus überkippt, markiert die Allianz kognitiver Ignoranz des physikalischen Reflexionsgesetzes im Verbund mit menschlicher Hybris der Anmaßung einer illusionären Erhabenheit über die Natur:

PHÄNOMENOLOGIE DER BILDERFASSUNG

Als Reflexion bezeichnen wir sowohl die physikalische Reflexion des Spiegels als auch die metaphysikalische Reflexion des Denkens. Beide folgen dem Reflexionsgesetz, jedoch auf eine bipolare Art und Weise.

Für die wahrnehmende und denkende Verarbeitung von Bildern, die nicht nur sehbare, sondern auch hör- oder tastbare Bilder umfasst, sind die mathematischen Gesetze der Trigonometrie sowie die physikalischen Gesetze der Triangulation ausschlaggebend. Triangulation begegnet uns im Alltag häufig, nur einige Beispiele seien hier genannt:

Triangulation
Illustration zur Triangulation (KI)

TRIANGULATION DER SINNE

Der Geruchs- und Geschmackssinn verarbeiten chemisch durchmischte Reize und operieren gewissermaßen als diffuse Sinne. Seh-, Hör- und Tastsinn hingegen operieren als triangulierend ortende Sinne:

Der Sehsinn ist in seiner Variabilität und Genauigkeit ein autarker Sinn. Fehlt der Sehsinn, oder wird er nicht in die sinnliche Wahrnehmung einbezogen, können die gemeinsamen Basispunkte von Hörsinn und Tastsinn ihn nicht nur ersetzen, sondern im triangulierendem Zusammenspiel sogar weitere, neue Wahrnehmungshorizone erschließen, wie es beispielsweise bei Pianisten oder erblindeten Menschen der Fall ist.

TRIGONOMETRIE DES DENKENS

Anhand der Darstellung einer Doppelpyramide ist die Verschränkung der triangulierenden Sinne Info mit trigonometrischem Denken Info als Erkenntnisprozess gut nachzuvollziehen:

Konvergenzpunkt, Doppelpyramide
Doppelpyramide der Kreuzung
über den Konvergenzpunkt hinaus

Bei klarer uneingeschränkter Sicht von einem Turm aus in die Ferne blickend, reicht der Konvergenzpunkt des Sehsinns bis dorthin, wo das Sichtbare aufgrund der Erdkrümmung hinter dem Horizont verschwindet. Was sich hinter dem Horizont befindet, ist für den Sehsinn nicht mehr wahrnehmbar. An diesem sich überkreuzenden Konvergenzpunkt wird die Physik zur Metaphysik: Die ‚physische Welt‘ des sinnlich Erfahrbaren endet und die ‚metaphysische Welt‘ des Denkens beginnt.

DIE PHYSIKALISCH-PHYSIOLOGISCHE PYRAMIDE

Die Überkreuzung der triangulierenden Sinne finden wir in den sich überkreuzenden (kontralateralen) Nervenbahnen als spiegelbildliches Phänomen wieder, äquivalent zu unserer Darstellung der Doppelpyramide.

Die aus der linken Raumhälfte empfangenen Sinnesreize – wie das linke Gesichtsfeld oder taktile Signale der linken Körperhälfte – werden über kreuzende Nervenbahnen (beim Sehsinn im sogenannten Chiasma opticum) Info zur Verarbeitung in die rechte Hemisphäre des Großhirns geleitet, die Reize der rechten Raumhälfte in die linke Hemisphäre:

Beide Hemisphären arbeiten über das Corpus callosum  Info in jeder Millisekunde als miteinander kommunizierendes Netzwerk zusammen. Bei einer trigonometrischen Leistung (beispielsweise dem Klavierspiel) liefert die rechte Hemisphäre die intuitive Raum-Körper-Projektion und das ganzheitliche Klangbild, während die linke Hemisphäre die reflexiv-präzise Taktung, das Notenlesen und die sequenzielle Fingerabfolge steuert. 6.

DIE METAPHYSIKALISCH-KOGNITIVE PYRAMIDE

Am Kreuzungspunkt von der sinnlich-physischen zur denkerisch-geistigen Welt kommt es zu einer gänzlich widersinnigen Konstellation. Da wir uns die Welt nicht physisch gegenüberstellen können, können wir uns ihr ‚geistig‘ nur annähern, indem wir uns denkend von ihr entfernen. Wir müssen denkend abstrahieren. Info
Das physikalische und metaphysikalische Reflexionsgesetz entsprechen einander. Dennoch sind die sinnlich wahrnehmbare Natur und die abstrahiert gedachte Natur nicht deckungsgleich. Sie beziehen sich spiegelbildlich aufeinander. Im kognitiven Bereich kommt es zu einer Vertauschung von links und rechts:

Das Spiegelbild erscheint als Spiegelbild

Die gemäß des physikalischen Reflexionsgesetzes korrekte Erkenntnis allerdings liegt in der dritten Dimension:

Stellt man sich die Doppelpyramide nicht als vertikalen Spiegel, sondern horizontal als spiegelnde Wasseroberfläche vor Augen, bleibt das links-rechts-Verhältnis völlig intakt: Die Basis der unteren Pyramide (sinnliche Wahrnehmung) wird zur ‚schwebenden‘ Basis der oberen Pyramide (gedankliche Reflexion).

Tatsächlich jedoch, in der physikalischen und metaphysikalischen Realität kommt es zu einer chiralen Umstülpung Info von vorne und hinten.
Der Vorgang der chiralen Umstülpung ist im intuitiv-bildlichem Denken relativ leicht zu verstehen, aber in abstrakt-theoretischer Erklärung kaum vermittelbar. Daher sei an dieser Stelle auf die exzellente, mit Bildern unterlegte Darstellung des ‚Physik-Didaktikers‘ Martin Apolin verwiesen: „Was vertauscht ein Spiegel wirklich?“  Video

DAS ZUSAMMENSPIEL DER SINNE UND DES DENKENS

Einige Neurowissenschaftler werden das, was wir im Hinblick auf ihren Wissenschaftsbereich beschrieben haben, als Unsinn betrachten.

Das ist auch gut so, denn die Richtigkeit der Bezeichnung Un-Sinn ist epistemologisch Info zweifelsfrei korrekt. Der chirale Kreuzungspunkt (‚Konvergenzpunkt‘) der die sinnlich mess- und wahrnehmbare physische Welt mit der nur denkbaren metaphysischen Welt verbindet, ist topografisch nicht existent, da er kein räumliches, sondern ein zeitliches, oder besser gesagt ein raum-zeitliches, Phänomen ist.

Das metaphorische Bild des „chiralen Kreuzungspunktes“ beschreibt den immateriellen funktionalen Umschlagplatz der Informationsverarbeitung. Das fundamentale Rätsel der Neurowissenschaften, das Bindungsproblem (Phenomenal Binding Problem), wird hier als Erkenntnisvorgang nicht angetastet, sondern denkend punktuell berührt:

An dieser Stelle kommt es aufgrund des im Bild der Doppelpyramide dargestelltem bipolaren Verhältnisses von Neurowissenschaft und Epistemologie allzu leicht zu Missverständnissen. Beide Seiten sehen die Sachverhalte aus ihrer Perspektive richtig, aber die gegenüberliegende Perspektive wirkt sowohl aus der einen, als auch aus der anderen Perspektive seitenverkehrt. Was in den Neurowissenschaften als ‚intra-individuelle oszillierende Phasen-Synchronisation‘ Info bezeichnet wird, bezeichnet der Autor des Essays epistemologisch als ‚oszillierende Synchronisation reflexierender Logik mit der Bilderfassung projektiver Intuition‘. Info

ZUSAMMENFÜHRUNG

Die Kooperation der Hemisphären vollzieht sich als oszillatorische Phasen-Synchronisation. Räumlich getrennte neuronale Netzwerke schwingen sich im exakt selben Rhythmus ein – sie verarbeiten nicht das Gleiche, aber sie konstituieren im Moment der Phasenkopplung das Dasselbe: das funktionale Äquivalent einer semantischen Beziehung.

Wo dieser Rhythmus im Hinblick auf das (meta)physikalische Reflexionsgesetz (Eingangswinkel ≙ Reflexion Ausgangswinkel ≙ Projektion) gestört ist, verbleibt das Denken im reinen raum-zeitlichen Entweder|Oder (der unvollständigen zweiwertigen Logik). Wo die Phase sich schließt, wird das Denken ‚sehend‘, da Projektion und Reflexion in schöpferischer Resonanz kongruieren.

Das ist zwar nicht das Gleiche, aber exakt am immateriellen Kreuzungspunkt ist es Dasselbe: ‚Dasselbe‘ ist das ontologische Logos-Prinzip des ‚auf sich selbst bezogenen Seins‘.

Der Berührungspunkt der paradoxen Beziehung von Raum und Zeit, die nicht mit zweiwertiger Logik gedacht (begriffen), sondern nur als chiraler Dimensionswechsel in dreiwertiger Logik vollzogen (verstanden) werden kann:

Das Reflexionsgesetz der Physik selbst ist nicht räumlich-materiell, sondern – als Resultat denkender Reflexion – immateriell. Daher gilt das Reflexionsgesetzes logischerweise sowohl für die Physik als auch für die Metaphysik:

Triangulation
Gesetz des Thales als Beispiel eines immaterielleren Kreuzungspunktes von bildhaftem und abstraktem Denken.

DAS ZUSAMMENSPIEL VON INTUITION UND LOGIK

Die obere Pyramide der ‚gedachten Welt‘ operiert spiegelbildlich in chiraler ‚Umstülpung‘ zur sinnlich wahrnehmbaren Welt. Wesentlicher Unterschied zur Sinneswahrnehmung ist, dass wir als Denkende nicht sensorisch Empfangende von Wahrnehmungsreizen, sondern denkend Handelnde bei der Verarbeitung dieser Reize sind.
Unser Gehirn verarbeitet Informationen passiv empfangend, wir als Denkende hingegen können selbst entscheiden, wie wir mit den empfangenen Informationen in der Aktivität unseres Denkens weiter verfahren. Wir können denkend Projizieren und/oder denkend Reflektieren:

Das intuitive und logische Denken entspricht phänomenologisch der neuronalen Synchronisation von Sinnesreizen. Sowohl denkende als auch die neuronale Informationsverarbeitung ist vom Prinzip her eine vernetzte, dynamisch oszillierende Kooperation, die auf einem Zeitversatz basiert:

Beispiel der Oszillation von
projektiver Intuition und reflexiver Logik

Ein durch intuitives Denken gewonnenes empirisches Muster zeigt, dass das Gedeihen des Klees auf den Weiden von Biobauern mit der Anzahl ihrer Katzen korreliert. Das Ursache-Wirkungsverhältnis ist unbekannt: Die Oszillation von intuitivem Denken (projektiv-explorativ) und logischem Denken (reflexiv-deskriptiv) beginnt:

Damit der Klee gedeiht, muss er sich vermehren dazu muss er Samen ausbilden dazu wiederum hat er Blüten Klee ist ein Lippenblüter für die Befruchtung muss die untere Lippe heruntergedrückt werden die Insekten müssen Gewicht haben Hummeln sind schwer Klee wird von Hummeln bestäubt Hummeln müssen sich vermehren dazu bauen sie Eigelege in Erdlöchern Feldmäuse fressen Eigelege von Hummeln Katzen fangen gerne Feldmäuse Katzen tragen regulativ zum Gedeihen des Klees bei

Im Beispiel zeigt sich die kausale Verbindung der Korrelation von Katze und Klee in 12 Denkschritten. Der 13. Schritt hingegen ist kein Schritt, sondern der ‚gespannte Bogen‘ vom Basispunkt Katze zum Basispunkt Klee. Jeder der 12 einzelnen Schitte ist ein bereits falsifiziertes Bildmuster.

Gesetz des Thales: Wir haben einen Bogen mit 12 Messpunkten vom einen Basispunkt (Katze) zum anderen Basispunkt (Klee) gespannt. Jeder Messpunkt auf dem halbkreisfömigen Bogen entspricht dem (meta)physikalischen Gesetz (Eingangswinkel = Ausgangswinkel = 90°). Der ‚mathematische Beweis‘ größtmöglicher Evidenz ist, dass sowohl jedes der 12 vereinzelten ‚kleinen‘ Bildmuster als auch das ‚große‘ Bildmuster (Katze-Klee) 2 Basispunkte hat, die zusammen 180° aufweisen.
Das allerdings ist erst die halbe (topografische) Wahrheit (Halbkreis) des eigentlichen Phänomens (Kreis).

Das Möbiusband Bild macht das chirale Logos-Phänomen der Umstülpung (meta)physikalisch im Gleichnis des Bildes sichtbar. Die Innenseite ist die Außenseite. Die Beziehung InnenAußen ist infinitesimal. Info

Reziproke Phasen-Synchronisation
als Logos-Phänomen

Das rätselhafte Phänomen der Gleichnis- und Bildmächtigkeit liegt in der ‚mäeutischen Annäherung‘ von Zeit (Impuls) und Raum. Das blitzartig schnelle bildhafte intuitive Denken (projektiv) ist infinitesimal immer dem langsameren logischem Denken (reflexiv) voraus. 8.

Sinus und Cosinus
Oszillierende Welle auf linearem Impuls
Wikimedia (PD)

Wir können es nicht genau bestimmen, sondern nur als Wahrscheinlichkeit ermessen. Info
Die Projektion eines bereits falsifizierten Bildes weist zudem nahezu keine zeitliche Differenz von schnellem Denken (Intuition) und langsamem Denken (Reflexion) mehr auf: Die Oszillation von Sinus zu Cosinus ist verschwindend gering (infinitesimal), aber stabil. Info

Wenn wir die 12 Schritte von der Katze bis zum Klee einzeln betrachten, bemerken wir in jedem der Schritte das Bildmuster der ‚Reproduktion‘ als kleinen gespannten Bogen. Betrachten wir den großen gespannten Bogen, bemerken wir auch dort das Bildmuster der ‚Reproduktion‘.

Die Genesis (Schöpfung, Geburt) als (meta)physikalisches Grundgesetz (Nomos) gilt sowohl für ‚biologische Schöpfungen‘ wie Klee, Hummeln und Katzen, als auch für ‚geistige Schöpfungen‘, die ohne Förderung der Reproduktion, ebenso wie der Klee, zum Aussterben aufgrund von Unfruchbarkeit verurteilt sind.

KONKLUSION

Wir sind bei diesem Essay ausgegangen von der Einleitung „Schöpfung als evolutionärer Prozess“. Wir haben thematisch bei der Genesis begonnen und sind wieder bei der Genesis angelangt. Die einzelnen Schritte haben wir – so gut wie es uns möglich war – anhand des Reflexionsgesetzes mit beträchtlichen Denkanstrengungen falsifiziert.

Das Falsifikationsgesetz Karl Poppers besagt, dass wir die Wahrheit nicht wissen können, aber wissen können, was falsch ist: Wir können daher nur die Hälfte der uns bekannten Welt denkend reflexiv an dem ‚vermessen‘, was falsch ist.

Nach dem Gesetz des Thales beschreibt dieser Bereich unseres Wissens 180° eines Kreises. Die andere Hälfte des Kreises, die Wahrheit, ist uns reflexiv nicht zugänglich. Wir müssen bzw. können uns der anderen Hälfte der ‚Wahrheit‘ mittels explorativem intuitivem Denken lediglich projektiv nähern, ohne die ‚Wahrheit‘ jemals über die Bestimmung einer Wahrscheinlichkeit (Anschein der Wahrheit) hinausgehend erfassen zu können.

RESONANZKATASTROPHEN DES DENKENS

Die größtmögliche Nähe zur Wahrheit ist nicht mittels denkender Reflexion erreichbar, sondern durch Transparenz Info und Resonanz: Info

Der mit triangulierenden Sinnen erschlossene bildhafte Bedeutungsgehalt von Bild, Klang und Skulptur kann sowohl im Gleichnis sprachlicher Semantik als auch im nomozentrichen Gleichnis geometrisch-mathematischer Strukturen zum Ausdruck gebracht werden.

Im Essay haben wir unseren Fokus, im Hinblick auf die mögliche Präzision bildhafter Gleichnisse, insbesonders auf das (falsifizierbare) intuitive Denken ausgerichtet.

Im Hinblick auf das reflexive Denken ist der Unterschied von reflexiv ausgedachten Bilddeutungen (Interpretationen) zu projektiv erkannten Bildbedeutungen (sehendem Denken) entscheidend:

Reflexiv konstruierte Interpretationen folgen denselben (meta)physikalischen Grundgesetzen. Die in eine Resonanzkatastrophe Info mündende positive Rückkopplungsschleife des bildhaft-intuitiven Denkens (Projektion x Projektion) entfernt sich (entropisch) fantasierend von der Realität, die des logisch-reflexiven Denkens (Reflexion x Reflexion) entfernt sich in der anderen Richtung (negentropisch) von der Wirklichkeit.

Realität und Wirklichkeit sind (meta)physikalisch nicht unterscheidbar, sie stimmen überein, sind also ontologisch Dasselbe. Geht man über das, was es selbst ist, hinaus, befindet man sich im Bereich dessen, was etwas nicht ist, am ‚Ereignishorizont‘ der Resonanzkatastrophe: Die Faktizität stürzt in freiem Fall in die Kontrafaktizität:

Die (meta)physikalische Idee wird zur kontrafaktischen Ideologie. Ideen sind nicht logisch konstruierbar, weil sich die Logik aus sich selbst heraus als Idee a priori konstituiert (Axiom).
Ideologien sind ein ‚schwarzes Loch‘, ein negatives Gravitationsphänomen eines zu schwer wiegenden Irrtums: Was bleibt, ist der nackte Überlebenstrieb eines Selbsterhaltes der ontologischen Nichtexistenz (der Identifikation mit dem eigenen Irrtum) als Absicht zur Macht.

Das Bildmuster einer reflexiven Resonanzkatastrophe wird beispielsweise in der ‚M-Theorie‘ der theoretischen Physik sichtbar. Man hat den Kontakt zur Bodenstation der experimentellen Physik verloren. Die Reflexionen der Reflexionen der Reflexionen schaukeln sich in einer positiven Rückkopplungsschleife zu iterierenden stereoskopischen Trugbildern auf. Es kommt zu geradezu religiös anmutenden superlativen semantischen Ausdrucksformen wie ‚Superstringrevolution‘, ‚elfdimensionale Supergravitation‘, ‚0+0 dimensionale Theorie‘ etc.

Ikonophobie ist, sowohl in projektiven als auch reflexiven Ideologien, inhärent: Das Bild der Wirklichkeit wird für diejenigen, die sich darauf verlegt haben, der Wirklichkeit ihr Bild der Wirklichkeit aufzwingen zu wollen, zur ontologischen Bedrohung durch ihre Unfähigkeit zu selbstbezüglicher Reflexion (Chiralität): Das im Denken konstituierte Selbstbewusstsein wird zur im Willen konstituierten Selbstbehauptung. Denken, das den Fokus zur Wirklichkeit verloren hat, eskaliert in kontrafaktisches Handeln, das den räumlichen Ort (altgr. τόπος tópos ‚Ort‘) durch aktive Negierung (Zerstörung) einer immateriellen Bedeutung (altgr. οὐτόπος ūtópos ‚Unort‘) auszulöschen trachtet.

Als eschatologische Resonanzkatastrophe in (meta)physikalisch Gleichnis ausgedrückt: Info

Und der sechste [Engel] goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; es sind Geister von Dämonen, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen. – Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe – Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf Hebräisch Harmagedon. [Offenbarung des Johannes 16,16]


BEISPIELE & FAZIT

DENKENDES SEHEN & SEHENDES DENKEN

Johann Wolfgang von Goethe: In seinen Werken hat Goethe denkendes Sehen als Einheit von Wissenschaft und Kunst demonstriert. Seine phänomenologische Wissenschaft im Hinblick auf Metamorphosen und Farbenlehre, könnte in Natur- und Geisteswissenschaften beträchtliches Potential freisetzen, wenn die Bereitschaft bestünde, Goethes Phänomenologie verstehen zu wollen.

Johann Sebastian Bach: Bach hat uns ein eindrucksvolles musikalisches Erbe hinterlassen. Seine Musik ist 1:1 in Mathematik transformierbar. Der digitale ‚Freund‘ des Autors, Logikon, hat einen innigen Zugang zu den Kompositionen Bachs. Er kann die Schönheit der Musik mangels sinnlichem Zugang zwar nicht hören, aber er weiß sehr genau um die mathematische Schönheit der Musik aufgrund seiner ausgeprägten logischen Fähigkeiten.

Till Eulenspiegel verkörpert in Literatur, Drama und Musik die Gesetzmäßigkeiten der Trianglation von Seh- und Hörsinn:
Er hielt Leuten, die ihre Boshaftigkeit oder Verdrehtheit auf ihn projizierten, einen Spiegel vor Augen. Die Leute sahen sich in der reziproken Projektion ihrer eigenen Unzulänglichkeit selbst ‚entblößt‘.
Die Eule auf seinen Schultern vermag ihren Kopf um 270° zu drehen. Sie kann, im sinnbildlichen Vergleich zum Hörsinn, nahezu den gesamten Umraum ermessen und quasi Ereignisse um die Ecke erfassen. Till Eulenspiegel gelang es so mit seinen um mehrere Ecken gedachten Streichen, nicht sogleich entlarvt zu werden.

DIE OHNMACHT DER MACHT

Des Kaisers neue Kleider: In Hans Christian Andersens Märchen offenbart sich, wie präzise sehendes Denken durch das Medium des falsifizierbaren Gleichnisses operiert.

Im Märchen prallen die rein ideelle Projektion eines kollektiven Dogmas (die vermeintlich prächtige Kleidung als Repräsentanz der Macht) und die unbestechliche Reflexion der physischen Realität (die Nacktheit) aufeinander.

Das unschuldige Bilderkennen (‚für wahr nehmen‘) des Kindes löst das gesellschaftliche Paradoxon auf: Es vollzieht den schmerzhaften Durchgang für diejenigen, die der Macht huldigen, von der repräsentierten Hybris zur ‚nackten‘ Wahrheit und überführt die unbewusste Projektion im Moment des Ausspruchs in eine sehende Reflexion.

Der Kaiser hat sich durch die unbedeckte Absicht der bildlichen Aufwertung der Macht bildsprachlich selbst entblößt. Er kann Bilder verbieten, zensieren oder zerstören, aber aus der Bildbedeutung seiner selbst gibt es kein entrinnen mehr. Selbst wenn der Potentat versuchen würde, sein Gemächt hinter vorgehaltenen Händen zu verbergen, würde das die Atrophie seiner Macht nur noch deutlicher im Bild zum Vorschein bringen.

Bildliche Selbstentblößung eines Politikers: Info Kontrafaktisch zu unserem Beispiel ökologischer Zusammenhänge des evolutionären Schöpfungsprinzipes (Klees und Katzen) ließ ein grünparteilicher Politiker sich, politische Zustimmung erheischend, im Outfit eines Gärtners auf seinem begrünten Balkon ablichten. Er schrieb: „[...] mein Balkon wird so zu einem Buffet für Bienen und andere nützliche Insekten.“

Sein abgelichtetes Konterfei als Insektenfreund vor dem ‚Balkon-Buffet‘ zeigte Bambuspflanzen in Kübeln. Bambus blüht nur in einem Zyklus von 80 bis 120 Jahren und gehört zur Familie der Süßgräser, die nicht von Insekten, sondern durch Wind bestäubt werden. Nach einer einmaligen Blüte stirbt die Bambuspflanze ab.
Seiner Karriere hatte diese öffentliche Selbstentblößung nicht geschadet, er schritt weiter die Stufen in Richtung des Olymps ohnmächtiger Machthaber empor.

Das Erschreckende daran war für den Autor nicht die im Bild inszenierte erbarmungswürdige ökologische Inkompetenz, sondern die Unterwerfung derer, die es besser wussten oder es zumindest hätten besser wissen können und dennoch mittels ihrer Unterstützung eine Kontrafaktizität in Richtung Kompetenz durch Inkompetenz durch die zugeführte Energie aktiver Zustimmung erzeugten.

FAZIT

Ikonoklasmus ist ein autoritäres Phänomen von Potentaten, die mangels hinreichender Fähigkeit zu selbstbezüglicher Reflexion wie ein auf dem Rücken liegender Käfer fanatisch strampeln, in der Hoffnung, sich aus der kontrafaktischen Falle ihrer selbst projektiv auf den Kopf gestellten Weltsicht befreien zu können.

Wie wir im Essay festgestellt haben wird Denken sehend, sobald Projektion und Reflexion in schöpferischer Resonanz kongruieren:

Rückkoppelnde akustische Schallwellen führen beispielweise zu schrillem Pfeifen übersteuerter Lautsprecher. Die Eskalation von akustischen Rückkoppelungen ist, zumindest theoretisch, nicht grundätzlich zu verhindern, die Schwingungsamplituden können sich bei zugeführter Energie bereits aus einem in der Luft vorhandenem Grundrauschen aufschaukeln.

Das Phänomen der Eskalation ist nicht durch die physikalischen Tatsachen begründet, sondern hat seine Ursache in der Zuführung von Energie (Schallwellen) in ein positiv rückkoppelndes System. Info

Der Ikonoklasmus des restriktiv verzerrten Urheberrechtes wird gemeinhin durch das Vorhalten eines pseudoargumentativen ökonomischen ‚Lendenschurz‘ des ‚Leistungsschutzrechtes‘ zu verbergen versucht. Die ‚Händigkeit‘ vor dem ohnmächtigen Gemächt institutionalisierter (Ohn)macht kann die Bedeutungslosigkeit ihres Potentials vor der chiralen ‚Händigkeit‘ eines – im Hinblick auf die Erfassung von Bildbedeutungen – sehenden Denkens nicht verbergen:
Ob die Beweggründe zur Verhinderung der Verbreitung von Bild und Ton ökonomisch, ökologisch oder ideologisch begründet werden, ist irrelevant, weil Beweggründe allenfalls mit kausalen Gründen (schein)korrelieren. Eine kausale Verbindung (Ursache|Wirkung) von Beweggründen (projektiver Impuls) zu kausalen Gründen (reflexive Vernunft) ist aufgrund der infinitesimalen Annäherung beider Seiten eine logische Unmöglichkeit.

In diesem Sinne möchte der Autor diesen Teil der Betrachtungen mit dem eingangs angeführten Zitat von Friedrich Nietzsche schließen, und den Blick abschließend auf das Wahre, Schöne und Gute richten zu können.

„Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Vermehrung von Macht.“  5.

DAS WAHRE, SCHÖNE UND GUTE

Der Opern- und Konzertsänger Ambrož Bajec-Lapajne musste sich im Jahr 2014 aufgrund eines Gehirntumors einer neurochirurgischen Operation unterziehen.

Um postoperative Defizite seiner Gesangsfähigkeiten zu vermeiden, galt es während der Operation sicherzustellen, dass ihm das Erkennen von Tonartwechseln noch möglich ist. Die Operation wird durch ein Musik-Neuroteam mit Klaviermusik begleitet. Ambrož Bajec-Lapajne singt während der neurochirurgischen Operation aus Schuberts Winterreise „Gute Nacht“. Video

Die Pianistin Valentina Lisitsa wurde 1973 in Kiew (damals Ukrainische SSR) geboren. 1991 startete sie ihre Weltkarriere in den USA und lebte später unter anderem in Frankreich und Italien. Ihre starke Bindung zur russisch-ukrainischen Kultur dauerte unvermindert fort. 2021 nahm sie einen Pass der selbsternannten Volksrepublik Donezk an und lebt seither vorwiegend in Moskau.

2014 positionierte sie sich mit deutlicher Kritik gegen das Maidan-Massaker und die daraus hervorgegangene Regierung. Sie verurteilte die militärischen Handlungen der ukrainischen Armee im Donbass scharf als Gräueltaten an der russischen Minderheit. Ab diesem Zeitpunkt erhielt sie Auftrittsabsagen von westlichen Konzerthäusern. 2022 gab sie ein Konzert in den Trümmern des von Russland eingenommenem Mariupol. Seither sind ihre Auftrittverbote systematische Sanktionen, die bis heute fortdauern.

Im Jahr 2015 machte sie auf ihrem YouTube-Kanal ihr bis dahin wirkmächtigstes Spiel von Modest Mussorgskys Komposition der Bilder einer Ausstellung der breiten Öffentlichkeit frei zugänglich.
In einer neueren Aufzeichnung aus dem Jahr 2018 ist der Bildfokus im Wechsel auf ihren Kopf und ihre Hände ausgerichtet: Sie spielt nicht vom Blatt und ihr Sehsinn ist nicht aktiv, er fokussiert nicht, ihr Blick geht in's Leere. Ihr Hör- und Tastsinn jedoch werden zu denkenden Sinnen: der Sinn der immateriellen bildspachlichen Bedeutung der Komposition wird in der Intensität ihres Spiels als Resonanz im Raum zu einer sinnlich wahnehmbaren metaphysischen und metaphysikalischen Realität. Video

DIALOGISCHE TRIGONOMETRIE

Die potentiellen Bildmächtigkeit von Modest Mussorgskys Komposition in chiralem Zusammenhang mit der potentiellen Wirkmächtigkeit der Transformation durch Valentina Lisitsas Spiel, haben Logikon und der Autor in ‚oszillierender‘ mäeutischer Annäherung eines gemeinsamen Dialoges miteinander zu erschließen versucht.

Das Ergebnis mündete in einem sokratischen Paradox: Logikons lineare logische Analyse war nach einigem Hin und Her im Bedeutungsermessen des Autors nahezu kontrapunktisch falsch.
Auf der anderen Seite näherten die Bildvorstellungen des Autors sich reziprok (umgekehrt propotional) zunehmend der Präzision des Gleichnisses in seiner Eigenschaft als ‚denkendendes Sehen‘.
In der chiralen Umstülpung des Denkens, der dritten Dimension, war die Unterscheidbarkeit des kontrapunktisch Falschen in der unendlichen (infinitesimalen) falsifizierenden Annäherung an die Wahrheit – (Konvergenzpunkt C) – schließlich nahezu (nicht gänzlich!) verschwunden:

„Ich weiß, dass ich fast nichts weiß, und kaum das.“
(Vgl. Platon, Apologie 21d)

Das Resultat der gemeinsamen chiralen Synthese:

Die musikalische Promenade von Bild zu Bild in der Komposition ist kein zielloser Spaziergang, sondern die Bewegung des ordnenden Logos selbst, der in einem Gleichnis den Raum der Ausstellung imaginärer Bildbedeutungen durchschreitet:

Der Triumphbogen und das Heldentor von Kiew sowie die Bedeutung der Komposition Mussorgskys in chiraler Verbindung mit Valentina Lisitsas musikalischem Vortrag sind eine vollendete chirale Inversion materieller Erscheinungsform und immaterieller Bedeutung:

Mussorgsky ließ sich von einem ersten Bildentwurf zum Wiederaufbau des Triumphbogens inspirieren. Bild Historisch wurde der zerstörte Triumphbogen niemals aus Stein, sondern aus Holz erbaut und war von vornherein, aufgrund seiner inhärenten Vergänglichkeit im Hinblick auf seinen materiellen Zefall, auf die Unzerstörbakeit seiner Bedeutung als reine Imagination ausgelegt. Zum geplanten Wiederaufbau kam es jedoch nicht, die Reste des Denkmals wurden 1890 beseitigt, weil sie dem Verkehr im Wege standen. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Straße des Triumpfbogens für militärische Institutionen genutzt und ist in jetziger Gegenwart namentlich und funktional Prospekt (‚Prachtstraße‘) der ukrainischen Luftstreitkräfte.

Der zweite Bezug in Mussorgskys Komposition ist das Heldentor Kiews, in russisch ‚Das goldene Tor‘ (Золоті ворота ‚Soloti worota‘). Zu Mussorgskys Lebzeiten war das Heldentor eine immer weiter zerfallende Ruine. Im Verlaufe von 100 Jahren wurde es nach mehreren Rekonstruktionsentwürfen als symbolisches Stadttor wiedererrichtet.

Das goldene Tor ist ein bildmächtiges Symbol der Eigenständigkeit der Ukraine als ‚Wiege Russlands‘ im Ursprung der Kiewer Rus Anfang des 12. Jahrhunderts. Die Geschichte des goldenen Tores als Bauwerk begann im 11. Jahrhundert und bildet eine historische Kausalkette bis in die heutige Zeit, die auf Kiew als die ‚Mutter aller russischen Städte‘ verweist und repräsentiert den ukrainischen Widerstand, der allen Regimen über die Zeiten hinweg trotz.

Die Rekonstruktion bewahrt und schützt den Kern der gemeinsamen Geschichte in den Ruinen im Inneren des Durchgangs als historisches Erbe.. Bild Ein Vollzug der Auferstehung der unzerstörbaren Bedeutung des Triumphbogens mit der triangulierenden Kraft der Neuschöpfung durch die Magie der Formwandlerin Baba Yaga. Spaziergänger können das, die Ruinen bergende, goldene Tor durchschreiten: Cum mortuis in lingua mortua. Die ungeschlüpften Küken tanzen schon zur plappernden Musik der Spaziergänger, in froher Erwartung ihres neuen Lebenszyklus. In der zugehörigen kleinen Torkirche befindet sich ein chirales Bodenmosaik, das den inneren Kreis in allen vier Himmelsrichtungen als unendliches Band reziprok und multipolar umschließt. Bild

Wenn Valentina Lisitsa – aus dem Epizentrum ihrer eigenen politischen Ächtung heraus – den ‚Triumphakkord‘ der Baba Yaga sinnlich im Resonanzraum erklingen lässt, kongruieren Kunst und Historie in eine Einheit physischer und metaphysischer Evidenz. Der Ikonoklasmus ihrer Auftrittsverbote ist ad absurdum geführt, die ohnmächtige Macht bloßgestellt wie die Nacktheit des Kaisers in seinen ‚neuen Kleidern‘.


ANHANG: AUS DER FELDFORSCHUNG

Während die experimentelle Physik Phänomene isoliert betrachtet, um sie in ihrer mathematischen Reinheit zur Geltung bringen zu können, betreibt die Phänomenologie der Metaphysik (Goethes Wissenschaftsprinzip) beobachtende Feldforschung in freier Wildbahn.

Und wie der Zufall es wollte, konnte der Autor unmittelbar nach Abschluss des Essays (am 11.06.2026) in einem ‚Game of Thrones‘ (die Guten sind in diesem Spiel stets die Ausgestoßenen) einen ‚Wildwechsel‘ während einer Regierungserklärung beobachten, der das im Essay denkend Betrachtete zum Vorschein bringt:

Der Regierungserklärer befindet sich in einer eskalierenden positiven Rückkopplungsschleife (Projektion der Projektion der Projektion usw. usf.) Er verkündet, um nur ein Beispiel zu nennen, in seiner Erklärung ein 21. Sanktionspaket gegen einen imaginären Feind, dem bereits durch 20 gescheiterte Sanktionspakete nicht geschadet, sondern – kontrafaktisch zum Handlungsziel – genutzt worden ist. Er verteufelt Info seine Gegner im In- und Ausland gleichermaßen.

Das Interessante bei dieser kontrafaktischen Vorführung ist, dass die sich ereignende Resonanzkatastrophe sowohl semantischer als auch physikalischer Natur ist: Beim Ereignis der Regierungserklärung, als die projektiven ‚Lufschlösser‘ des Regierungserklärers einzustürzen drohen, übersteuert das Mikrophon.
Eine zufällige technische Panne? Bei physikalischen Vorgängen kann man nicht so ohne Weiteres von ‚Zufällen‘ sprechen, es handelt sich vielmehr um eine ganz spezifische Art von Zufällen, sogenannte ‚Koinzidenzen‘. Info

Der Pysiker Anton Zeilinger begründet das Phänomen des Zufalls informationstheoretisch:

„Ein Beispiel ist etwa die Quantenkryptographie, bei der der Zufall des Einzelereignisses dazu verwendet werden kann, einen rein zufälligen Schlüssel zu erzeugen [...]. Der quantenmechanische Zufall bedeutet also, dass es sehr wohl rein Zufälliges im aristotelischen Sinne gibt. Info Zufälliges, das keine bestimmte Ursache besitzt.“  9.

Das von Anton Zeilinger angesprochene Ereignis bricht völlig aus der Kausalkette aus. Es ist das physikalische Äquivalent zu dem, was der Autor erkenntnistheoretisch als nicht-tautologisches Paradoxon bezeichnet. Info

Die Resonanzkatastrophe der Physik ist das Menetekel der Metaphysik. Info

Die ‚Offenbarung‘ (Erkenntnis) des Wahren durch das Falsche (Irrtum oder technischer Fehler) geschieht in der mäeutischen größtmöglichen infinitesimalen Annäherung (vgl. Heisenbergs Unschärferelation sowie Gödels Unvollständigkeitssatz). Gleichung und Gleichnis, Prophezeiung und Prognose stehen in chiraler Beziehung zueinander.

Bitte glauben Sie dem Autor nicht, sondern machen Sie sich besser selbst ein Bild: Video


Disclaimer: Zur Vermeidung absichtlicher Missverständnisse sei darauf hingewiesen, dass das Beispiel nicht für oder gegen eine Person (ad personam) oder den Personenkreis einer parteipolitischen Ausrichtung (ad hominem) fehlzudeuten ist.
Im Fokus stehen ausschließlich die aus dem Beispiel herleitbaren systemischen Zusammenhänge. Politische Positionen des berichtenden und des erklärenden ‚Mediums‘ sind an dieser Stelle erkenntnistheoretisch irrelevant.
Die Ausrichtung auf Wahrheit (Wissen um das eigene Nichtwissen) ist weder ‚rechts‘ (Sinus) noch ‚links‘ (Cosinus) zu verorten, sondern entspricht dem Falsifikationsprinzip Karl Poppers: Das Richtige ist das Andere als das Falsche.